Aborigines - Geschichte und Gegenwart

Aborigines - Geschichte und Gegenwart

 

 

Aborigines - Die Ureinwohner Australiens
Die Aborigines zählen zu den ältesten Volksstämmen der Erde. Nach den heutigen Statistiken gibt es in Australien ca. 300.000 Ureinwohner (1,6 % der Gesamtbevölkerung), darunter auch Mischlinge, die sich selbst als Aborigines bezeichnen.
Die ersten Aborigines kamen vor ca. 56.000 bis 68.000 Jahren, vermutlich über Landbrücken von Südostasien über Neuguinea nach Australien. Diese Festlandverbindung bestand zur letzten Eiszeit, als der Wasserspiegel um etwa 80 m tiefer lag als heute. So konnten die Menschen, die keine Seefahrer im eigentlichen Sinne waren, weitgehend zu Fuß den Fünften Kontinent erreichen.
Das Gemeinschaftsleben der Aborigines war bis zum Eintreffen der weißen Siedler völlig intakt. Erst durch die Konfrontation mit der Zivilisation der Weißen wurden die Sozialstrukturen der Aborigines unaufhaltsam zerstört. Heute funktioniert das Zusammenleben der Aborigines im althergebrachten Sozialverband nur noch in wenigen Fällen.
AborigineKennzeichnend für die Sozialstruktur der Aborigines ist die Sippe, die aus 30 bis 50 Mitgliedern besteht. Der Mythologie nach ist ihr ein Stück Land anvertraut, um deren Unversehrtheit sie sich bemüht. Dieses Areal ist ihr Jagd- und Streifgebiet. Die Größe des Gebietes wird nach seiner Ergiebigkeit und nach der Anzahl der Sippenangehörigen bemessen. Jede Lebensgemeinschaft regelt ihre Angelegenheiten unabhängig von anderen Sippen. Ungefähr 25 bis 35 Sippen bilden einen Stamm. Die Stammesgrenzen sind meist identisch mit den Sprachgrenzen. Der Name der Sprache bzw. des Dialekts bezeichnet das Gebiet und gibt auch dem Stamm seinen Namen.
An der Spitze eines Stammes steht meist ein Ältestenrat, der sich aus Familien- bzw. Sippenoberhäuptern zusammensetzt. Die Mitglieder des Ältestenrates zeichnen sich durch besondere Fähigkeiten sowie durch Wissen über Mythen und kultische Handlungen aus. Im Rat kommen alle Angelegenheiten des Stammes zur Sprache, ihm obliegt die Gerichtsbarkeit, er schlichtet und urteilt bei Streitigkeiten, und er repräsentiert den Stamm bei Treffen mit anderen Stämmen. Unter den einzelnen Stämmen gibt es keine einheitliche Sprache. Beim Eintreffen der englischen Kolonialisten gab es ca. 300 Dialekte. Die Sprachen bzw. Dialekte der Aborigines sind reine "gesprochene Sprachen", kennen also außer wenigen Symbolen keine Schriftzeichen. So wurden alle Mythen und Riten mündlich weitergegeben oder in Bildern und auf Kunsthandwerk festgehalten. Von den ursprünglich rund 300 Dialekten existieren heute noch ca. 30. Besonders häufig wird auch die Aboriginal-Kreole, eine Mischsprache aus Englisch und Aborigines-Sprachen, gesprochen. Diese Kreole unterscheidet sich sehr stark vom Englischen und ist für "Außenstehende" nicht einfach zu verstehen.
Die Aborigines glauben an ein höheres Wesen, dass das Land in der Dreamtime, vergleichbar mit unserer Schöpfungsgeschichte, erschaffen hat. Die Mythen, und damit die Vergangenheit, spielen im Leben der Aborigines eine große Rolle.
Eng verbunden damit ist die Musik. Meist diente sie ihnen zur Begleitung der vielfältigen und umfangreichen Tänze. Mit Hilfe dieser Tänze gaben sie ihre Geschichten aus der Dreamtime, der "Traumzeit", an ihre Kinder weiter. Aber es sind nicht einfach "nur" Tänze die weitergegeben werden. Alle Tänze erzählen eine mehr oder weniger lange Geschichte. (von 15 Minuten bis zu etlichen Stunden). Die Figuren dieser Geschichten sind Charaktere aus der Dreamtime.
Jede Geschichte beinhaltet eine kleine Lehre - und alle Geschichten zusammen bilden die Inma, eine Art Gesetzbuch oder besser: eine Sammlung von Lebensregeln.

 

Das bekannteste Musikinstrument, dass diese Tänze unterstützte ist die Didgeridoo, meist ein dünner, hohler Baumstamm oder Ast, in den man hineinbläst und dabei mit den Lippen Töne erzeugt. Obwohl es so aussieht, ist das Spielen auf der Didgeridoo keineswegs einfach, denn man muss dazu eine bestimmte Atemtechnik beherrschen. Weniger um Musik als um Geräusche geht es beim Einsatz von rhythmic slicks (Rhythmushölzer), mit denen im eigentlichen Sinn der Takt angegeben wird, und bullroarers (Schwirrhölzer), die an einer Schnur befestigt sind und durch die Luft geschwungen werden.
Da erst die ganze Inma mit Hilfe von Tänzen von Generation zu Generation weitergegeben werden musste, dauerte es bis  zum 23 Lebensjahr, bis ein Aborigine zum "Mann" wurde und die umfangreiche Gesetzgebung auswendig konnte. Dann durfte er endlich heiraten.
Aborigines - RönigenmalereiAuch die Kunst der Aborigines ist eng mit ihren Mythen verbunden und dient ebenfalls zur Weitergabe von Lebensweisheiten. Die Kunst soll diese über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg weitergeben. Dargestellt werden Szenen aus dem Alltag, wie z.B. eine Jagd oder die Wanderung einer Sippe. Als Untergrund für die gemalten, geritzten oder gezeichneten Bilder dienen vornehmlich Baumrinden und Felsenwände. Gelegentlich wird auch in den Sand gezeichnet. Eine besondere Art der Malerei ist die sogenannte Röntgenmalerei, bei der die Umrisse von Tieren und deren Organe und Knochen abgebildet werden. Felsenbilder, die Mythen und Legenden überliefern, bilden heute noch den kultischen Mittelpunkt einiger Sippen und Stämme, vor allem in Northern Territory.
Aborigines sind Nomaden bzw. Halbnomaden, sie haben meist keine festen Siedlungen in ihren Stammesgebieten. Es gibt lediglich Plätze, die in bestimmten Abständen bevorzugt aufgesucht werden. Dazu gehören Stellen, die gute Ausgangsbedingungen zum Jagen oder Sammeln bieten und in der Nähe eines Wasserlochs liegen. Bei einem kurzen Aufenthalt werden meist nur Windschirme aus Zweigen oder Baumrinden errichtet; bleibt man länger, werden feste Hütten aus Zweigen, Baumrinde, Gras und Schilf gebaut.
Das Lager einer Sippe ist Hoheitsgebiet und darf von Angehörigen anderer Sippen oder Stämme nicht ohne Aufforderung bzw. Einladung betreten werden. So muss z.B. ein Bote in gebührender Entfernung vom Lagerplatz warten, bis man ihn bittet, näher zu kommen.
Wie gesagt die Aborigines sind Nomaden, was ja ausschließt das sie „Bauern“ sind. Vielmehr handelt es sich um Jäger und Sammler, die von dem leben, was die Natur ihnen bietet. Gelegentlich wird Tauschhandel betrieben. Das Sammeln von Wurzeln, Knollen, Beeren und Samen sowie von Kleintieren (Würmer, Schalentiere, Insekten und Larven) ist die Arbeit der Frauen, während das Jagen Männersache ist. Speere, Speerschleudern und Keulen, gelegentlich auch Bumerangs, gehören zu den Waffen. Zum Bumerang habe ich unten einen extra Abschnitt geschrieben....
Den wahren Inhalt der Aborigine-Kultur hat man leider erst viel zu spät zu schätzen gelernt. Denn dummerweise wollte man sie im 18. Jahrhundert erst einmal zu einem "ordentlichen" Glauben bekehren, und natürlich aus ihnen zivilisierte Menschen machen.
Man verbot ihnen ihre heidnischen Tänze weiterhin zu tanzen, versuchte ihnen unsere Sprache und unsere Kultur beizubringen, und überschüttete sie mit allen möglichen Auswüchsen unserer Hochkultur. In erster Linie mit ansteckende Krankheiten, Alkohol usw.

 

Die Aborigines, wurden erst vor gut zweihundert Jahren quasi von der Steinzeit in die Moderne gerissen und das macht ihnen das Leben so schwierig und ihre Kultur scheint durch die vielen modernen Einflüsse leider dem Untergang geweiht.
Erst seit Beginn unseres Jahrhunderts ging man dort - vor allem von Regierungsseite - verstärkt dazu über, die Aborigines in die Gesellschaft zu integrieren. Da sie über lange Zeit fast ohne Rechte waren, wurden z.B. Gesetze erlassen, dass sie Land erwerben durften, dass sie gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie die Weißen bekommen sollten und dass sie das Wahlrecht ausüben durften. Die Bürgerrechte wurden ihnen allerdings erst 1967 verliehen. Damit stand es jedem Aboriginal offen, sich eine Wohnung frei zu wählen. Außerdem erwarb er das Recht auf einen Arbeitsplatz bzw. bei Arbeitslosigkeit einen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung .
Aber, "Gleich ist eben nicht gleich", weiße Australier werden den dunkelhäutigen Australiern immer noch vorgezogen, so u.a. bei der Vergabe eines Jobs oder einer Mietwohnung. Auch eine mangelnde medizinische Versorgung der Aborigines führte öfter zu Klagen. Weitere Beispiele der Diskriminierung ließen sich anführen. Und wenn sich die farbigen Einwohner noch so sehr um Anerkennung bemühen, ist die Chance auf Erfolg doch gering. Bei diesen Erfahrungen bleibt Resignation nicht aus. Die Flucht in Alkohol und andere Drogen ist das Resultat. Zu den Suchtproblemen kommen kaum mehr zu bewältigende Existenzschwierigkeiten. Der Teufelskreis schließt sich und lässt nur selten eine Möglichkeit offen, ihm zu entkommen. Dieses Phänomen ist auch in weißen Gesellschaften nicht unbekannt. Der Unterschied besteht nur darin, dass hier einzelne Personen betroffen sind, während es bei den Aborigines - abgesehen von Ausnahmen - eine ganze Kultur ist, deren Jahre gezählt sind.
Es ist unglaublich schwer für die Aborigines einen Job zu finden und sich in die Gesellschaft zu integrieren, ohne ihre Kultur aufzugeben. Große Teile der Gesellschaft machen es ihnen immer noch sehr schwer, im heutigen Australien Fuß zu fassen. Für den Reisenden zeigt sich leider oft nur die negative Seite dieses Dilemmas. Man sieht oft nur die, die überhaupt nicht mit der zivilisierten Welt zurecht kommen und in den Städten auf der Straße leben.
Schade eigentlich - denn der stressgeplagte Westeuropäer könnte sicherlich vieles von ihnen lernen...

Aborigine - FlagUnd doch haben sie wieder zu ein wenig Stolz gefunden, einige versuchen wieder, auf die alt hergebrachte Art und Weise zu leben - aber das ist natürlich fast unmöglich, denn die Zivilisation schreitet auch in der unendlichen roten Wüste Australiens mit Riesenschritten voran.
Zeichen dieser Rückbesinnung auf ihre Ursprünge und ihr neues Selbstbewusstsein ist ihre eigene Fahne, in Schwarz, Rot und Gelb:
schwarze Haut - rote Erde - gelbe Sonne


Bumerang
Der Bumerang, ein gebogenes Stück Holz in der entsprechenden Bearbeitung, ist sicherlich der bekannteste Gebrauchsgegenstand der Aborigines. Er dient verschiedenen Zwecken, zum Jagen, zum Kämpfen oder auch nur zur Dekoration. Am populärsten ist der "Rückkehr-Bumerang". Mit ihm werden meist Vögel gejagt. Verfehlt er sein Ziel, kehrt er zum Werfer zurück, vorausgesetzt, dass dieser die Technik des Werfens beherrscht.

Wie wirft man einen Bumerang?

BumerangEs ist ganz einfach - ein paar Kniffe muss man jedoch kennen. Man braucht erstens einen tauglichen Bumerang. Wichtiger als die gekrümmte Form ist ein deutlich ausgeprägtes Tragflächenprofil. Zweitens braucht man eine freie Fläche, möglichst eine Wiese, denn Gras ermöglicht eine schonende Landung des Bumerangs auf dem Boden. Schließlich müssen die äußeren Bedingungen stimmen: Windstille oder eine leichte Brise sind optimal; schon ein leichter Luftzug beeinflusst sichtbar den Flug des Bumerangs. Stärkerer Wind bringt ihn nicht etwa zurück, sondern trägt ihn weg! Soviel zu den Rahmenbedingungen. Aber nun zu den Einzelheiten.
Drei Winkel müssen beachtet und in ein optimales Verhältnis zueinander gebracht werden:
1. der Winkel zum Wind: Der Rechtshänder stellt sich so auf, dass ihn die Brise von links trifft, der Linkshänder genau anders herum. Aber damit es nicht zu einfach ist, benötigt der Linkshänder auch ein anders profiliertes Holz. Der Abwurf erfolgt je nach Windstärke und Bumerangmodell in einem Winkel von 45° bis 90°.
2. der Abwurfwinkel: ER  bezeichnet die Haltung des Bumerangs in der Hand im Moment des Abwurfes zur Vertikalen. Er liegt bei einem Winkel von ca. 15°, oder etwa in l-Uhr-Stellung. Auf keinen Fall darf der Bumerang so flach wie ein Frisbee geworfen werden.
3. der Horizontwinkel: Er ist für die erste Flugphase des Bumerangs von Bedeutung und sollte ebenfalls 15° betragen.
So, nun muss man den Bumerang nur noch mit viel Drehung auf die Flugreise schicken. Hat man alles richtig beachtet und umgesetzt, kommt der Bumerang schon beim ersten Mal genau zurück. Wenn der Bumerang an die Abwurfstelle zurückkehrt, sollte man auch versuchen, ihn aufzufangen. Am besten ist die Sandwich-Technik. Dazu streckt man die Arme aus und versucht, den inzwischen in der Horizontalen rotierenden Bumerang zwischen die Handflächen einzuklemmen, indem man die Hände von oben und unten zusammenschlägt, als wolle man in die Hände klatschen. Fortgeschrittene fangen bald einhändig, wozu allerdings der Mut aufgebracht werden muss, in die Drehung hineinzufassen.

So, nun aber los üben, üben, üben ...! Es macht echt Spaß!

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