Kakadu National Park

Kakadu National Park

 

Der 19000 km² große Kakadu National Park sieht je nach Jahreszeit völlig anders aus. In der Trockenzeit sind die Tiere besser zu beobachten, weil sie sich an den Wasserstellen sammeln. Während dieser Zeit sind auch alle Kunststätten der Aborigines problemlos zu erreichen. In der Regenzeit hingegen sind weite Flächen des Parks überflutet und voll blühender Wasserlilien, zugleich sind allerdings viele Straßen unpassierbar. Dessen sind wir uns bewusst und gehen, vor unserem Start in Darwin, brav gehen wir zur Touristinfo und dort sagt man uns es gibt keine Probleme, alle Straßen sind frei. Okay also los. Nach dem wir uns zur Auflockerung unterwegs die Fogg Dam Conservation Reserve angesehen haben kommen wir in die Kakadu Region und es sieht rings herum ganz schön wet aus. Wir überqueren den Adelaide River, wo die Boote zu dem Touristenspektakel Jumping Crocodiles starten. Die Echsen springen nach Fleischbrocken, die an einer Schnur und einem langen Stab baumeln. Sicher spektakulär, aber nicht im Sinne der Tiere, deshalb findet das auch hier, außerhalb des Nationalparks statt, denn im Nationalpark sind solche Spiele mit den Krokodilen verboten. Wir fahren weiter und siehe da, schon der erste ernsthafte Fluss im National Park, der Wildman River, überschwemmt die Straße. Nicht weiter wild, aber immerhin. Mit unserem 4WD rollen wir locker durch das 10cm hohe Wasser. Wie gesagt kein Problem, aber wer weiß was noch kommt. Die nächste heikle Stelle war die Überquerung des West Alligator River. Hmm keine Veränderung zum Wildman River, wir rollen locker durch. Nun steigt unsere Hoffnung, dass wir doch noch in den Park kommen, aber der größte Fluss, der South Alligator River, kommt ja erst noch.

Wat nu? Road closedTja da haben wir den Salat. Am South Alligator River angekommen sehen wir schon eine ganze Schlange Autos, die rechts am Straßenrand stehen. Der Fluss überschwemmt die Fahrbahn auf einer Länge von ca. 500m. Die große Frage ist, wie tief ist das Wasser? Vor dem Fluss bildet sich eine Menschenmenge die scheinbar lebhaft diskutiert ob es hier ein Durchkommen gibt. Na das werden wir uns mal anhören. Die Meinungen gehen weit auseinander, eins ist aber klar ohne höheren Radstand geht gar nichts. Also alle mit einem normalen PKW drehen um und die Autos werden deutlich weniger. Tja was machen wir nun? Zunächst warten wir ab, ein recht hoher LKW macht sich auf den Weg und nun lässt sich abschätzen wie hoch das Wasser ist. Hmm das könnte gehen, aber wohl ist uns nicht. Die Höhe passt, aber wie hoch ist die Strömung? Ich denke es ist kein Problem wenn man nicht anhalten muss. Okay unsere Entscheidung ist gefallen, wir probieren es. Vor uns ist noch ein VW-Bus. Wir lassen 200m Abstand und fahren los. Die Strömung ist zunächst kein Problem, aber zur Mitte des West Alligator River ist sie ganz schön heftig. Ich muss stark gegenlenken. So weit aber alles kein Problem, aber was ist das? Wir nähern uns ziemlich deutlich dem VW-Bus vor uns. Dieser hat sichtlich Probleme. Er wird immer langsamer und fängt sehr stark an zu rauchen. Mist hoffentlich schafft er es noch. Der Motor des Busses hat Wasser gezogen und stottert nun sehr stark. Überholen geht hier auf keinen Fall, da wir den Mittelstrich als Orientierung benutzen müssen, um überhaupt zu sehen wo es langgeht. Wir kommen dichter und dichter. Ich muss mein Tempo dermaßen verringern, dass sich die Strömung immer stärker auswirkt. Los hau rein mit deiner Gurke. Es wird knapp, aber es reicht! Mit letzter Kraft schafft es der VW-Bus auf die andere Flussseite, bevor er am Straßenrand endgültig aus geht. Wir fahren Stoßstange an Stoßstange „an Land“, ich dachte schon wir müssen ihn rüberschieben. So das war knapp, aber es ist ja gutgegangen. Vielen Dank hier noch einmal für die tolle Auskunft in der Touristinfo in Darwin. :-((
Unser erster Stopp ist das Bowali Visitors Centre unweit der Kreuzung des Arnhem Hwy mit dem Kakadu Hwy. Die Dame am Schalter ist sehr überrascht als sie hört, dass wir über den Arnhem Hwy in den Park gekommen sind. „Die Straße ist doch seit Wochen gesperrt“. Grrrrrrr Touristinfotante......
Kakadu NP - Scenic FlightsNachdem wir uns mit Karten und Infos aller Art eingedeckt haben machen wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Eigentlich wollten wir zu den Jim Jim Falls, aber auch die Jim Jim Road ist wegen Überflutung gesperrt. Was nun? Wir fahren zunächst nach Jabiru, um uns mit Lebensmittel und Getränken einzudecken. Dort gibt es Hotels und einen Supermarkt. Von hier starten auch die Rundflüge über den Park. Oooch wo wir schon mal hier sind....
Nach unseren guten Erfahrungen mit den Scenic Flights wollen wir uns aus der Luft einen Überblick über den riesigen Park verschaffen. In einer halben Stunde geht der nächste Flug und es sind noch Plätze frei. Na dann mal los. Dröhnend zieht die Maschine über die Landebahn, erhebt sich, und plötzlich erkennen wir von oben Zusammenhänge, die einem der durchgehende Busch zuvor verwehrte.

Uranmine - JabiruZunächst fliegen wir über Jabiru. Gegründet als Versorgungsstation für die nahen Uranminen in den frühen achtziger Jahren. Heute werden in der Umgebung von Jabiru immer noch drei Uranminen betrieben, von denen Ranger Mine die größte ist. Das hier geförderte, hoch radioaktive Uran deckt etwa 8 % des gegenwärtigen Weltbedarfs.
Kakadu National Park

 

 

 

 

Von hier oben sieht man den breiten South Alligator River, mächtigster Strom und Arterie Kakadus. Der Arnhem Hwy und der Kakadu Hwy wirken wie vereinzelt dünne Autospuren.
Der Name „Kakadu“ hat übrigens nicht das geringste mit den hier reichlich anzutreffenden weißen und schwarzen Kakadus zu tun. Salopper Sprachgebrauch ließ aus dem Stammesnamen der Gagudju-Aborigines „Kakadu“ werden. Ihr Leben war reich, spirituell wie materiell: Schildkröteneier, Enten und Wurzeln der Seelilie gab es in Fülle. In Harmonie mit der Natur vergingen so mehr als 25000 Jahre. In rund 5000 “art galleries”, Felsmalereien in Höhlen, in denen Gagudjus einst vor Gewittern Schutz suchten, leben ihre Bilder aus Alltag und Mythologie fort. Kaum ein anderer Platz auf Erden ist so reich an Zeugnissen frühester Kulturgeschichte der Menschheit wie der Kakadu National Park.

 

 

Der erste Kontakt mit Europäern ist 1623 nachgewiesen. Eins der beiden Schiffe unter dem Kommando des Holländers Jan Carstensz war die “Arnhem”, deren Name später als Bezeichnung dieses Gebiets in die Landkarten eingehen sollte. Für beide Seiten kam es zu einer Konfrontation mit einer fremden Welt. Für die Gagudjus endete sie katastrophal. Nur einige Hundert überlebten das spätere Eindringen von Rinderleuten und Siedlern, die meisten außerhalb der alten Stammesgrenzen lebten.
Das Jahr 1978 bedeutet für die Aborigines rechtlich die Wende, denn ein Großteil des heutigen Parkgebietes wurde den als traditionell owners bezeichneten Ureinwohnern zugesprochen, die es seitdem an den australischen Staat verpachtet haben.
Wie bei Uluru-Kata Tjuta National Park haben die in diesem landschaftlich überaus reizvollen Gebiet ansässigen Aborigines den Weißen die Nutzungsrechte auf 99 Jahre überlassen

 

 

Kakadu National ParkEscarpment und Arnhem Land Plateau

 

 

 

 

 

 

 

Unversehens rückt der Abbruch des Escarpment und Arnhem Land Plateau in unser Blickfeld. Dabei handelt es sich um uralte Felsen, fern von den Touristenorten des Kakadu National Parks erhebt sich dieses Plateau mit einer scharfen Abbruchkante. Karge Sandsteinebenen mit dünnem Gras- und Buschbewuchs schließen sich an. In der von der Erosion zerklüfteten Gegend finden sich dennoch immer wieder Senken mit dichtem Regenwald. Epiphyten, Moose, Farne, Orchideen und Lianen beherrschen das von kleinen Wasserläufen durchzogene Gebiet. Zugänglich nur dem, der sich in tagelangen Fußmärschen hierher durchschlägt.

Escarpment PlateauArnhem Land Plateau

 

 

 

 

 

 


 

Jim Jim Falls - Kakadu National ParkNö da lassen wir es doch lieber bei einem Blick aus der Luft und fliegen zu den spektakulären, 215m hohen Jim Jim Falls. Diese Wasserfälle sind nur in der Trockenzeit mit dem 4WD zu erreichen, Nachteil leider trocknen die Jim Jim Falls in der Dry Season aus. Für die Flussdurchquerung und das letzte Stück bis zur camping area ist ein Allradfahrzeug unverzichtbar. Wer keinen Geländewagen hat, kann bis zum Fluss fahren, sein Fahrzeug dort abstellen und die letzten 5 km zu Fuß gehen. Vorher sollte man sich aber auf jeden Fall über den Straßenzustand im Park Headquarter erkundigen!

Jim Jim Falls - Kakadu National Park

 

 

Die Jim Jim Falls liegen 60 km südlich vom Kakadu Highway. Bis zu den nicht viel weniger großartigen Twin Falls sind es nochmals 10 km. In der Trockenzeit kann man Glück haben und die Twin Falls haben Wasser, vielleicht aber auch nicht. :-)
Wie ihr seht haben beide Fälle bei unserem Besuch viel Wasser, aber sind halt nur aus der Luft zu bestaunen, wobei das wahrscheinlich die bessere Ansicht ist.
 

Twin Falls - Kakadu National Park

 

 

 

 

 

Von hier oben kann man es gut erkennen, dass der Park aus fünf Zonen besteht:
Die Gezeitenzone mit der Küste und den Flussmündungen.
Die Überschwemmungsgebiete mit den Nebenarmen der Flüsse, gleichsam den Arterien, und den grauen Schlammzonen.
Das hügelige Waldland, das den größten Teil des Parks bis zur steilen Abbruchkante des Plateaus bedeckt.
Das Escarpment und Arnhem Land Plateau, bestehend aus einem stark erodierten Sandsteinblock,
und schließlich der Monsunregenwald in den Schluchten, in den Ebenen und an den kühleren Stellen des Plateaus, wo der Boden während des ganzen Jahres genügend Feuchtigkeit hält.
Der Flug ist ein tolles Erlebnis und wir genießen ihn in vollen Zügen. Ohne Rundflug wäre es schwer geworden den Park zu begreifen, der im Laufe eines Jahres dramatischen Wandlungen unterworfen ist. Wir Europäer unterteilen das Wetter in Trockenzeit (Mai - September) und Regenzeit (November - März). Dagegen gliedern die Aborigines das Jahr in sechs Jahreszeiten mit fließendem Übergang:
Gunumeleng ist die Zeit vor dem Monsun von Oktober bis Dezember/ Januar, in der Luftfeuchtigkeit und Temperaturen steigen. Die schwüle Luft an Flüssen und Bächen ist vom Duft blühender Papierrindenbäume erfüllt, die jeden Abend Kolonien hungriger Flughunde anlocken. Nachmittags ziehen schwarze Wolken und mitunter Gewitter auf; einzelne Schauer lassen die Flüsse langsam anschwellen und füllen die fast trockenen Billabongs. Grünes Gras bedeckt wie ein Teppich das Land. Barramundis verlassen die Wasserlöcher und schwimmen flussabwärts zur Küste. In früheren Zeiten hieß es nun für die Ureinwohner, ihre Lager in Überschwemmungsgebieten abzubrechen und Schutz in höheren Lagen zu suchen.
Gudjeuk, von Januar bis Februar, ist die Zeit heftiger Gewitter, schwerer Regenfälle und Überschwemmungen. Hitze und Feuchtigkeit lassen explosionsartig neues Leben entstehen. Spaltfußgänse nisten in den Grasebenen und Warane, Schlangen und Possums suchen ihr Heil auf Bäumen, wo sie von Aborigines leicht zu fangen waren.

Kakadu National Park - Scenic FlightKakadu National Park

 

 

 

 

 

 


Im März und April ist Banggereng -Zeit. Die Pflanzen tragen dann Samen, und Tiere ziehen ihren Nachwuchs auf. Wasser ist im Überfluss vorhanden, und heftige Stürme drücken das nahezu 2 m hohe Speergras nieder.
In der Yekke -Zeit (April - Mai) hängen Nebelschwaden tief über den Ebenen und Wasserlöchern. Die überschwemmten Ebenen sind von Wasserlilien übersät. Trockene Winde signalisieren schließlich, dass die Zeit für die ersten Brände gekommen ist. Nun beginnt der Woll-Eukalyptus zu blühen. Frühzeitiges abbrennen des Unterholzes ist eine Vorsichtsmaßnahme gegen verheerende Buschbrände in den heißeren Monaten. Um den Tieren Fluchtmöglichkeiten zu lassen, geht man dabei parzellenweise vor. Am Tag patrouillieren Raubvögel an den Feuerlinien und suchen nach leichter Beute.
Wurrgeng ist die „kalte" Zeit (Juni - Juli) mit niedriger Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturen steigen tagsüber auf 30 °C und fallen nachts auf 17 °C. Die Überschwemmungsgebiete trocknen ebenso schnell aus, wie sie entstanden sind. Die mittlerweile fetten Spaltfußgänse tummeln sich mit Tausenden anderer Wasservögel auf den Billabongs. Ist Anfang August die Blütezeit des Woll-Eukalyptus vorüber, muss das Abbrennen abgeschlossen sein, da es sonst zu trocken wird.
Die Gurrung - Zeit von August bis September ist heiß und windstill, das Land liegt jetzt scheinbar ruhig da. Es ist für die Aborigines die Zeit der Jagd, und für die Warane beginnt die „fette" Zeit, denn Schildkröten legen jetzt ihre Eier in den Sand, die dann zur leichten Beute werden. Mit Ankunft des Weifibrust-Schwalbenstars kehren auch Blitz und Donner zurück, und alles beginnt von neuem.


Nourlangie RockNach der Landung machen wir uns gleich auf dem Weg zu den schon angesprochenen Felsenzeichnungen der Aborigines, für die der Park ebenfalls berühmt ist. Etwa tausend davon sind bekannt, doch ihre Zahl wird sogar auf 5000 geschätzt. Niemand vermag das Alter der Wandmalereien genau zu bestimmen, doch bestehen kaum Zweifel, dass einige zu den ältesten der Welt zählen. Einige Malereien und Felsengravuren sollen 23000 Jahre alt sein.

An Ubirr Rock, Nanguluwur und Nourlangie Rock sind besonders gelungene und noch gut erhaltene Kunstwerke zu finden. Auch wenn einige in den vergangenen Jahren von Künstlern übermalt wurden, so haben sie von ihrer Schönheit und Einzigartigkeit nichts eingebüßt. Während die "Kunstgalerien" an Ubirr Rock und Nanguluwur in der Regenzeit, bedingt durch Straßenüberflutungen, nicht bzw. nur mit einem Geländefahrzeug zugänglich sind, können die Malereien und Felsenritzungen an Nourlangie Rock das ganze Jahr über besichtigt werden und genau dahin fahren wir.
Röntgenstil - Nourlangie Rock

Die Aborigines lebten während der Regenzeit in Gruppen von selten mehr als 20 in den ausgewaschenen Felshöhlen. Malereien an steinernen Wänden erzählen vom Leben jener Tage, von guten und bösen Geistern. Meist sind es Tiere, überwiegend Fische, die vor Hunderten, ja Tausenden von Jahren mit braunen, weißen und schwarzen Erdfarben auf den Felsen aufgetragen wurden. Viele Fische haben Gräten, viele Kängurus und Goannas Wirbelsäulen. Es handelt sich um für die Aborigine-Maler des Top End typische Röntgenstil, der heutigen Besuchern einen quasi prähistorischen Durchblick erlaubt. Schautafeln erläutern uns kurz die Kunstwerke.
 

Jetzt fahren wir alle zusammen mit dem Boot...