Melbourne

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Melbourne CityWir kamen von Phillip Island und mussten feststellen, dass der Weg für auswärtige nicht gerade einfach ist. Wir sind ja nun schon in und durch einige Großstädte gefahren, aber Melbourne ist wirklich übel. Immer wenn wir uns kurz vor dem Ziel wähnten, treffen wir auf eine Einbahnstraße, natürlich von der falschen Seite. Irgendwann fanden wir dann aber doch in die Little Bourke Street, wo unser Hotel liegt. Mitten in Chinatown. Neben einigen guten China-Restaurants findet man eine Imitationen des Chinatown-Torbogens in San Francisco und der Straßenbeleuchtung in China. Na ja, wer mich kennt weiß was ich von den Chinatowns dieser Welt denke.....
Als 1835 John Batman, Sohn eines Sträflings, den Yarra River aufwärts segelte, um im Auftrag einer tasmanischen Interessentengruppe für einen Haufen billigen Tauschplunders Aborigines ein Riesenterritorium abzuschwatzen, in dem noch im selben Jahr die Anfänge Melbournes entstanden, existierte Sydney bereits ein Menschenalter. Die überrumpelte Kolonialverwaltung in Sydney erklärte diese Inbesitznahme zwar für illegal, leitete aber ihrerseits eine planmäßige Entwicklung der Stadt ein, die 1837 bereits 500 Einwohner hatte. 1851, nach der Loslösung von New South Wales, erhielt die neu geschaffene Kolonie, deren Hauptstadt Melbourne wurde, den Namen Königin Victorias. Gold löste noch im selben Jahr eine fast explosionsartige Veränderung aus. Melbournes Einwohnerzahl stieg in zehn Jahren von 30 000 auf über eine halbe Million - damit war sie die größte in Australien.
Melborne - Parlament HouseIhre Straßen wurden breit geplant und großzügig angelegt.  Aus der ehemaligen Sträflingskolonie, Australien, stach nun Melbourne und nicht mehr Sydney heraus. Doch Spekulationsakrobatik und unsolide Finanzpraktiken erschütterten die „Lady of the South“. 1893 schlossen Melbournes Banken, unfähig ihre Verpflichtungen zu erfüllen, für fünf Tage. Die Depression begann. Auch wenn im Jahre 1900 die noch heute beliebte Bahnlinie des Puffing Billy eröffnet wurde, der Zug war für Melbourne abgefahren. Ihr Platz ist die Nummer zwei, hinter Sydney.
Nach unseren Erfahrungen mit dem Auto in Melbourne stellen wir unser Auto ab und gehen zu Fuß los. Die Orientierung fällt leicht in der nach amerikanischem Vorbild schachbrettartig angelegten Innenstadt mit rechtwinklig aufeinanderzulaufenden Straßen. Um die massiven Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen, haben die "Melbournians" eine besondere Maßnahme geplant: Neben der Erhöhung der Parkgebühren und der Ausweitung der Fußgängerzone sollen in der Innenstadt Sperrgebiete für Autos, in denen weniger als zwei Insassen sitzen, eingerichtet werden. Wir finden, eine sehr gute Idee.
St. Patrick's Cathedral - MelbourneMelbourne erscheint uns auf den ersten Blick wenig attraktiv, denn die Innenstadt mit ihrer tristen Architektur lässt kaum Stimmung aufkommen. Erst bei näherem Hinsehen entpuppt sich das, was die Stadt sehenswert macht: Da sind die farbenfrohen Straßenbahnen, da ist Southbank Complex an Yarra River mit seinen Restaurants, Geschäften und der Uferpromenade mit Wasserspielen und Straßenmusikern und Yarra River, der sich an der Innenstadt vorbeischlängelt und vielen Stadtteilen eine besondere Note verleiht.
Unser erstes Ziel ist das Parlament House welches 1856 erbaut wurde. Von 1901 bis 1927 residierte hier das Bundesparlament, dass danach in das Parlamentsgebäude von Canberra umzog. Nun ist es Sitz des Parlaments von Victoria.
Hinter dem Parlamentsgebäude steht die zwischen 1845 und 1850 erbaute St. Peter's Church. Die Steine für diese Kirche wurden aus England importiert. Wir bummeln durch die Treasury Gardens zu den Fitzroy Gardens. In diesem Park steht Captain Cook's Cottage, das schlichte, zeitgenössisch möblierte Elternhaus des großen Navigators. Es wurde 1934 aus England nach Australien gebracht und hier wiederaufgebaut.
St. Paul's Cathedral - MelbourneAm oberen Ende des Parks überragt die riesige neugotische St. Patrick's Cathedral die Bäume. Die römisch-katholische Kirche mit ihrem fast 104 m hohen Turm ist ein Werk aus den Jahren 1858 bis 1897. Drei Türme fügte man noch zwischen 1937 und 1939 hinzu.
Nun zieht es uns aber zur Flinders Station, unterwegs kommen wir noch an St. Paul's Cathedral vorbei, sie ist eine der schönsten Kirchen der Stadt. In neugotischem Stil wurde sie zwischen 1880 und 1891 errichtet. Der knapp 96 m hohe Turm kann sich rühmen, der zweithöchste aller anglikanischen Kirchen zu sein. Besonders gelungen sind die meisterhaft gearbeiteten Fenster.

Flinders Street Station - MelbouneDie Flinders Street Station, belebter und mit Kuppeln und Ziegelfassade geschmückter viktorianischer Bahnhof am Yarra River, ist kaum zu übersehen. Vom 1854 erbauten Bahnhof fahren heute die Züge zu den Vororten. Der Bahnsteig Nr. l ist mit 700 Metern einer der längsten der Welt. Die Flinders Street Station gefällt uns sehr gut, sie ist ein echter Blickfang.
Beim Bahnhof führt die Princess Bridge über den Yarra River, sie mündet in die St. Kilda Road. An deren Beginn fällt rechts ein nach hoch oben hin spitz zulaufendes Gitterstahlgebilde auf, dass das Victorian Arts Centre überspannt. Zu diesem multifunktionalen Kunstkomplex gehört die Concert Hall wie auch das Theatergebäude mit Performing Arts Museum, der größten Bühne Australiens, dem kleineren Playhouse und schließlich noch die National Gallery of Victoria. Victorian Arts Centre ist eines der wirklich lohnenden "Regentagemuseen". Nicht nur die einzigartige Sammlung von Kunstobjekten, sondern das Angebot an Ausstellungen und Veranstaltungen suchen in Australien ihresgleichen.
Neben der Konzerthalle gehen wir die Treppe hinunter zur Promenade am Yarra River, die zum benachbarten Southgate Shopping Centre führt, ein moderner Bau mit eleganten Läden, einem Aquarium, mehreren Restaurants und vielen Unterhaltungsmöglichkeiten. Wir schlendern am River entlang und genießen das Panorama. Herrlich der Blick auf den Fluss und im Hintergrund die Flinders Station. An Princes Bridge legen Ausflugsboote ab, die Yarra River befahren.

Promenade am Yarra RiverSo, nun sind wir aber kaputt. Es wird Zeit die Straßenbahn zu nutzen. Melbournes Tram feierte 1985 ihr hundertjähriges Jubiläum. Es gibt zwei verschiedene Straßenbahntypen. Da sind die neuen, recht modern aufgemachten orange- und beigefarbenen Wagen, die auf den Schienen dahingleiten, aber auch die alten grünen Trams, in denen man meist auf Holzbänken sitzt und sich im Winter leicht erkältet, weil's kräftig zieht. Aber gerade diese alten Bahnen, viele in buntem Outfit, sind die wahren Lieblinge der "Melbournians". Obwohl einige von ihnen reich an Jahren und reif fürs Museum sind, funktionieren sie bis zum heutigen Tag einwandfrei. Wir fahren mit einer der alten Bahnen.
Eine Straßenbahn-Veteran ist zu einem der ungewöhnlichsten Restaurants der Welt umgebaut worden und nun rollt das Colonial Tramcar Restaurant täglich zu Lunch und Dinner durch Melbourne. Die kulinarische Tram ist sozusagen das Flaggschiff einer stattlichen Flotte von Straßenbahnen, die Melbournes Innenstadt mit den wichtigsten Vororten verbindet und zum Wahrzeichen der Stadt wurde. Der Stadtkern wird sogar von einer City-Tram umrundet, die gratis benutzt werden darf.
Yarra River - Flinders Street StationAls alle anderen Großstädte Australiens die Straßenbahn als lahm und altmodisch abschafften, hat sich Melbourne der vermeintlichen Moderne verweigert. Es sollte nicht lange dauern, ehe dann Australier aus allen Ecken des Landes nach Melbourne reisten, um wieder einmal nostalgisch mit der Tram durch die Straßen zu schaukeln und ihren Kindern zu zeigen, was eine echte Straßenbahn ist. Die wahre Stunde des Triumphes kam aber erst Ende der 90er Jahre, als sich Experten aus Sydney in Melbourne nach den Vorzügen einer Straßenbahn erkundigten. Die ewige Rivalin plante tatsächlich die Wiedereinführung der Tram.
So schön die Bahnen auch sind, aber für Autofahrer sind sie ein weiteres Problem. Die Straßenbahnen haben fast immer Vorfahrt. Auch wenn man sich im Recht glaubt, sollte man diesen Kolossen mit ihrem langen Bremsweg doch lieber den Vorrang lassen. Eine Besonderheit ist das Abbiegen nach rechts, da die Schienen meist in der Mitte der breiten Straßen verlaufen, würde man beim Rechtsabbiegen die Straßenbahn behindern. Deshalb ordnen sich Rechtsabbieger zunächst auf der linken Spur ein, halten kurz auf der linken Seite der Kreuzung, um die Straßenbahn und den geradeaus fahrenden Verkehr vorbeizulassen, und biegen dann erst nach rechts ab. Hinweisschilder an den Kreuzungen deuten jeweils auf diese besondere Abbiegeregelung hin. Wir genießen die Fahrt in der Tram und steigen am Melbourne Central aus.

Melbourne CentralMelbourne Central - Shot Tower


 

Melbourne Central ist das verrückteste Einkaufszentrum das wir je gesehen haben. Eine Glaskuppel wurde über den alten Shot Tower, eine Kugelfabrik von 1889, gebaut. Hier wurden früher Gewehr- und Kanonenkugeln hergestellt.
Im Melbourne Central findet man, Shops, Food courts und exquisite Geschäfte. Unter dem riesigen Glasdach, das wie ein Hut aussieht, finden auch Ausstellungen und andere kulturelle und sportliche Ereignisse statt. Unterhaltungsprogramme mit Gauklern und Schauspielern machen diesen Konsumtempel zu einem beliebten Treffpunkt.
 


 

 

Rialto TowerDa wir inzwischen gefallen an der Straßenbahn gefunden haben machen wir uns mit ihr auf den Weg zum Rialto Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt. Seine Besucherplattform im 55 Stock bietet einen weiten Blick über die Metropole.


Rialto Tower

 

 

 

 

 

 

 

 

Rialto Tower - Flinders StationEr ist das höchste Bürogebäude der südlichen Hemisphäre. Je nach Sonnenstand verändert sich die Farbe seiner Glas- und Stahlfassade. Wir haben unseren Besuch so gelegt, das wir Melbourne sowohl bei Tageslicht, als auch bei Dunkelheit zu Gesicht bekommen. Wir fahren 45 Minuten vor Einbruch der Dunkelheit hinauf und schauen uns Melbourne in Ruhe von oben an. Langsam bricht die Dunkelheit herein und wir genießen nun das Lichtermeer.
Melbourne - Rialto Tower


 

 

 

 

 

 

 

Melbourne by nightMelbourne by night

 

 

 

 

 

 

 

Rialto Tower - Melbourne by nightAm nächsten Morgen zieht es uns zunächst ins Grüne. Die Parks am westlichen Ufer von Yarra River, Kings Domain und Queen Victoria Gardens, bieten einige zusätzliche Anziehungspunkte. So ist Shrine of Remembrance zu nennen, der zum Gedächtnis an die Gefallenen der Kriege in Korea, Malaysia und Vietnam errichtet wurde. Durch die runde Öffnung in der Kuppel des Denkmals scheint am 11. November um 11 Uhr die Sonne genau auf einen Gedenkstein. Vor dem Bau halten oft uniformierte Veteranen Ehrenwache. Von der Aussichtsterrasse hat man einen hervorragenden Ausblick auf die Stadt. Die “Garden City” hat so viele Grünflächen, daß es kaum auffiel, als 1956 einige für die Stadien der ersten Olympischen Spiele, die auf australischem Boden stattfanden, geopfert wurden. Als ein Opfer hätten dies die Melbournians sowieso nicht verstanden, denn im ohnehin sportbegeisterten Australien gelten sie als geradezu sportnärrisch. So ist es nicht verwunderlich, dass der Melbourne Cricket Ground, gemeinhin nur als MCG bezeichnet, bis zu 110000 Menschen fassen kann. Bei internationalen Cricket-Vergleichen ist das Stadion meist gut gefüllt. Restlos ausverkauft ist es aber mit Gewißheit, wenn das »Grand Final« im Football Australian Rules im Oktober ansteht. Footy, wie dieses sportliche Eigengewächs heißt, ist in Melbourne fast ein Religionsersatz. Die Sportart, eine schnelle, etwas wildere Version des Rugby.

Rod Laver Arena + Holger :-)So langsam müssen wir uns von Melbourne verabschieden, aber was wäre für mich ein Besuch Melbournes ohne das National Tennis Centre im Flinders Park, oder Melbourne Park. Hier wird jedes Jahr das erste Tennis Grand Slam Turnier, die Australien Open ausgespielt. Für einen Tennisspieler natürlich ein absoluter Pflichtbesuch. Der Centre Court ist die Rod Laver Arena. Welche über etwa 15.000 Zuschauerplätze und über ein schließbares Dach verfügt. Daneben gibt es eine zweite Arena, die Vodafone-Arena, die ebenfalls schließbar ist und eine Kapazität von 10.000 Plätzen hat. Leider kommen wir nicht auf den Center Court. Der darf nur in Rahmen von Führungen betreten werden. Die letzte war gerade und bis zur nächsten dauert es uns zu lange, denn wir müssen ja noch weiter. Wir sehen uns das Museum und die Umkleiden an, gehen über die Nebenplätze, auf denen man jederzeit außerhalb der Open spielen kann. Reservieren kann man die Plätze im Shop oder HIER.


National Tennis Center - MelbourneTennis Australien Open

So jetzt mal sehen ob Kängurus golfen können...