Fortsetzung Bright Angel Trail

Grand Canyon - Bright Angel Trail - Plateau Point

 

Bei dem Gedanken die Serpentinen nachher wieder nach oben zu müssen, wird Ela ganz anders. Nach den Serpentinen geht es fast eben weiter Richtung Indians Garden. Hier haben wir schon das fast ebene Tonto Plateau erreicht und können endlich mal wieder horizontal laufen.
Die weichen Schichten der Bright Angel-Tongesteine ließen hier ein für eine Schlucht untypisch flaches »Zwischendeck« entstehen, denn die weichen Schichten wurden im laufe der Zeit fast vollständig abgetragen.
MulikaravaneUnterwegs, wenn man die Hitze spürt, fragt man sich immer wieder wie diese tiefe Schlucht ausgerechnet hier in fast wüstenartiger Umgebung entstehen konnte. Wie kann bei so wenigen Niederschlägen in dieser Gegend ein Fluss solche Kraft besitzen. Eigentlich müssten ja die tiefsten Schluchten beispielsweise in Mitteleuropa liegen, wo der Wasserstrom nie versiegt. Doch wenn es in Trockengebieten einmal regnet, dann haben diese schauerartigen Niederschläge eine viel stärkere Wirkung.
Stell dir vor, du hast einen völlig ausgetrockneten Schwamm in der Hand und schüttest aus einer Kanne Wasser darüber! Es wird über ihn weglaufen, ohne dass die verschlossenen Poren des Schwammes es aufnehmen können. Hast du aber einen Schwamm, der bereits vollgesaugt war, wringst ihn kurz aus und schüttest dann wieder Wasser darüber, so wird er es gleich aufsaugen.
Dieser Vergleich mit dem Schwamm machte deutlich, dass der ausgetrocknete Untergrund kein Wasser aufnehmen kann. Zusätzlich gibt es kaum Vegetation, die den Boden auflockert oder ihn vor dem Aufprall der meist großen Regentropfen schützt. Tonto PlateauSo ist für alle Trockengebiete ein starker Oberflächenabfluss typisch, bei dem das Wasser viel Sand und feines Material mitnimmt. Wer einen der sintflutartigen Wolkenbrüche in der Wüste erlebt, sieht den Boden mit Tausenden kleiner Rinnsale überzogen, in denen sich eine rotbraune Brühe in die Canyons ergießt. Durch die von allen Seiten ungebremst zusammenfließenden Sturzbäche kann das Wasser in kürzester Zeit einen Canyon völlig auffüllen. Es reißt gröberes Material und ganze Felsbrocken mit und tost derartig »bewaffnet« durch die Schluchten. Innerhalb weniger Minuten kann ein sonst nahezu versiegendes Wüstenrinnsal sich weit stärker eingraben als ein munter dahinfließender Bach das bei uns in Jahrzehnten schafft.
Nicht ohne Grund nannten die Spanier den Colorado den »Roten Fluß«. Durch sein weitverzweigtes Netz von Nebencanyons erhält der Fluss ständig, wenn irgendwo ein Gewitter niedergeht, einen neuen Schub roten Sandsteinaufgusses. Der Colorado wird damit nie trocken, ist aber von größeren Wasserstandsschwankungen betroffen. Während der Hochwasser von 1927 und 1984 schossen jeweils fast viertausend Kubikmeter in der Sekunde durch die Schlucht. Pfanzen auf dem Tonto PlateauWas wir jedoch dort unten in der Tiefe sahen, war gerade ein lächerliches Fünfzigstel dieser Wassermenge, bei weitem nicht genug, um den Canyon richtig anzukratzen. Trotzdem war auch dieses Wasser mit Sand und Lehm beladen, von den Seitencanyons irgendwo weggespült. Über Jahrmillionen werden ganze Landschaften den Bach hinuntergehen und hier durchkommen. Obwohl heute weiter flussaufwärts der Glen Canyon Damm dem Colorado einen Teil seiner roten Farbe und damit seiner Sedimetfracht nimmt, ist die Transportleistung des Flusses immer noch beeindruckend. 16000 schwer mit Sand und Lehm beladene LKW müssten jeden Tag durch den Canyon donnern, um das wegzuschaffen, was der Fluss leise plätschernd mit sich führt. Vor den Tagen des Dammes waren es gar 80 000 LKW am Tag gewesen!

 


Indians GardenNun wird es immer grüner. Wir kommen nach Indians Garden. Eine echte Oase in der Wüste. Hier gibt es einen Campground, Wasser, Toiletten und Schatten unter grünen Bäumen.

Indians Garden

 

 

 

 

 

Hier stoppen wir und erholen uns. Von hieraus stellt sich die Frage mit dem weitergehen nicht mehr. Wenn wir es bis hierher geschafft haben, schaffen wir es auch bis zum Plateau Point.

Indians GardenIndians Garden

 

 

 

 

 

 

 

Von Indians Garden bis zum Plateau Point geht es 1,5 Meilen immer nur geradeaus. Es gibt keine Steigungen mehr, aber leider auch überhaupt keinen Schatten. 1,5 Meilen durch im Indians Garden gemessenen 46,8°C.

Tonto PlateauTonto Plateau

 

 

 

 

 

 

 

Wir sind jetzt auf dem Stück, welches man vom Rim aus gut sehen kann. Es sieht von oben aus als würde hier nichts wachsen, aber weit gefehlt. Hier wachsen mannshohe Büsche, Kakteen... Es blüht hier sogar. Wer hätte das von oben gedacht.

Tonto PlateauTonto Plateau

 

 

 

 

 


 

Nur noch ein paar Schritte bis zum Plateau Point...