Hausboottour auf dem Lake Powell II

 


Fortsetzung Tag 1:
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“America's Playground” nennen manche sehr treffend den See, und tatsächlich zieht dieser Spielplatz jährlich immer mehr Besucher an, von denen die meisten nie die Landschaft kannten, die in seinen Fluten dafür ertrinken musste.
Hier gibt es eine »seltsame Zusammenstellung wunderbarer Erscheinungen«, hatte John Wesley Powell bei seiner Entdeckung über diesen faszinierend schönen Abschnitt des Colorado geschrieben. Er benannte ihn mit dem schottischen Wort für eine enge Klamm “Glen” Canyon. Jahrzehntelang verirrten sich nur wenige Besucher in die abgelegene Wildnis. Sie staunten über die unzähligen Felsenbehausungen und geheimnisvoll schönen Bilder der Anasazi, die hier gelebt hatten.

 

Lake PowellDoch langsam wurde die Lobby derer immer stärker, die den wilden Colorado gezähmt sehen wollten. Sein häufig Überschwemmungen verursachendes Wasser sollte ehrgeizige landwirtschaftliche Projekte ermöglichen. Der amerikanische Kongress beschloss, die Interessen von Energiegewinnung und Wasserversorgung über die Argumente der Naturschützer und Archäologen zu stellen. 1956 begann man mit den ersten Sprengungen zum Bau des Glen Canyon Dammes, der nach sieben Jahren mit über 200 Metern Höhe fertiggestellt war. Man macht sich heute kaum noch einen Begriff davon, wie abgelegen die Gegend damals war. Aber dort, wo jetzt  Page als blühendes Ferienzentrum liegt, war vorher nichts. Im reinen Wüstensand hatte man ein Arbeitercamp errichtet, um zunächst eine Brücke über den Canyon zu bauen, unter die bequem der Kölner Dom passt. Dann konnte die Schlacht gegen den Fluss beginnen: Fünf Millionen Kubikmeter Zement schoben dem unbändigen Colorado einen Riegel vor, zwangen ihn, mit dem Druck einer tonnenschweren Wassersäule die acht Turbinen des Kraftwerkes anzutreiben. In der Nähe entstand zudem ein Wärmekraftwerk, in dessen Kühltürmen Colorado-Wasser verdampft. In der Navajo Generating Plant wird Kohle aus dem Indianerreservat verbrannt, deren Abgase noch am 120 Kilometer entfernten Grand Canyon die Sicht trüben.

 

Rock Creek BayNun, da die starken Wasserschwankungen des Flusses durch den riesigen Stausee ausgeglichen waren, hatte man die Voraussetzung für eine intensive Bewässerungswirtschaft weiter flussabwärts geschaffen. Und damit begann auch die Schlacht um das Wasser, die von den betroffenen Staaten hemmungslos geführt wird und den Fluss fast bis zum letzten Tropfen aussaugt. Der Lake Powell ist nur ein Teil eines ganzen Systems von Stauprojekten, deren größtes der Lake Mead vor den Toren von Las Vegas ist.
Was schließlich vom Colorado in Mexiko im Golf von Kalifornien ankommt, ist ein versalztes Rinnsal, in dem sich die Mexikaner kaum noch die Füße waschen können. Der “Grand” ist zum dahinsiechenden Greis geworden.

 

Lake PowellWürde sein wohl kühnster Befahrer, John Wesley Powell, ihn so sehen müssen, er würde sich mit Sicherheit im Grab umdrehen. Aber dafür hat man den See, der die von Powell so geliebte Wildnis vernichtete, wenigstens nach ihm benannt. Nach der Fertigstellung des Dammes dauerte es tatsächlich 17 Jahre, bis der See in der trockenen Wüstenluft sein volles Ausmaß erreicht und den Colorado auf 300 Kilometern aufgestaut hatte. Dabei setzte er ein unüberschaubares Geflecht an Canyons und Seitencanyons unter Wasser und schuf eine zerklüftete Landschaft, deren Linien sich wie Mikado-Stäbe durchdringen. Würde man dem Ufer des Sees nachfahren, also allen großen und kleinen Seitencanyons und Seiten-Seitencanyons mit dem Boot bis an ihr Ende folgen, so käme man auf eine Uferlinie von sage und schreibe 3000 Kilometern, mehr als die gesamte Westküste der USA lang ist! Darunter liegen unwiederbringlich von Wasser und Schlamm zerstört die kulturellen Zeugnisse der Anasazi. Man muss den Lake Powell also mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.

Rock Creek BayWir sehen ihn hier mit einem lachendem! Es ist ein irres Gefühl, mit dem Boot durch die Wüste zu fahren. Bequem sind nun die verstecktesten Winkel von rund hundert Canyons zugänglich, die kleinen noch nicht einmal gezählt. Gerade durch die steilen und verwinkelten Seitencanyons entstand ein wohl auf der Welt einmaliger Abenteuerspielplatz für Freizeitkapitäne.


Rock Creek Bay

 

 

 

 

Inzwischen sind wir in der Rock Creek Bay angekommen. Nach ca. 5 ½ Stunden und ca. 40 Meilen ist es Zeit Anker zu werfen. Am Nordende der Rock Creek Bay suchen wir nach einem geeigneten Ankerplatz. Den finden wir auch. Fest steckend im Schlamm.

 

Die Bay die wir ausgesucht hatten erweist sich als Schlammfalle. Gut hineingekommen gibt es buchstäblich kein zurück mehr. Hmmm was nun? Erst mal raus aus dem Boot und rein in den Schlamm. Ohoh, das sieht nicht gut aus. Große Teile der Schwimmer liegen voll auf einer Sandbank (Schlammbank). Und jetzt?


Leider ist der Platz schon belegtHolger beim Versuch das Boot frei zu schaufeln

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst mal gehen Peter und ich raus und versuchen es mit der Schaufel. Nöö, das wird nichts. Nächster Vorschlag?

Im vorbeifahren haben wir nur wenige Meter entfernt ein Hausboot in einer schönen Bucht liegen sehen. Also macht sich Peter auf den Weg, um Hilfe zu holen. Die müssen ja helfen, schließlich haben die uns den Ankerplatz weggenommen und somit quasi in den Schlamm getrieben. :-))
Wir wurden nicht enttäuscht. Wenig später versuchten hilfsbereite Amerikaner mit Jetskis unser Hausboot freizubekommen. Keine Chance! Die Beiden sagten, sie würden zur Dangling Rope Marina fahren und dort dem Park Ranger Bescheid sagen. Okay wir übten derweil ein wenig Zeit totzuschlagen und versuchten erfolglos mit dem Funkgerät die Dangling Rope Marina zu erreichen. Nach einer Stunde teilen uns die Zwei mit, dass erst morgen Hilfe kommt. Hmm nicht schön, aber was solls. Wir wollten ja eigentlich sowieso hier übernachten.

Jetzt haben wir ja Zeit, also kommt rein und wir gehen eine Runde durchs Hausboot:

Hausboot - innenHouseboat - indoor

 

 

 

 

 

 

 

 

Hausboot - innenHouseboat - indoor

 

 

 

 

 

 

 

 

Hausboot - GrillHausboot Dach

 

 

 

 

 

 

 

 

Mal sehen ob wir morgen freikommen...