Istanbul - Sultanahmet - Hagia Sophia - Blaue Moschee

 

Straßenhändler in IstanbulNach verlassen der Palastanlage kommen wir an ein paar fliegenden Händler vorbei. Uff schnell weiter, ich brauch weder Kopftuch noch einen fliegenden Teppich. Wenige Meter weiter stehen wir mitten in einem Park. Hübsch angelegt, mit Springbrunnen und Bänken, ideal für eine Verschnaufpause.

Traditionelle Sitzordnung in Isranbul

 

 

 

 

 

Der Park bietet tolle Blicke, sowohl auf die Hagia Sophia, als auch auf die Blaue Moschee. Auch wir legen hier nach der anstrengenden Palastbesichtigung erstmal eine Pause ein. Dabei fällt uns diese Szene hier auf. Es ist Sonntag, viele Istanbuler sind unterwegs und treffen sich hier im Park. Man setzt sich wohl sortiert auf die Bank. Die Männer in lockeren Freizeitklamotten rechts und die Frauen verschleiert links. Uns eine skurrile Szene, hier in der Türkei vollkommen normal. 

Hagia Sophia - Istanbul

Eingang zur Hagia Sophia - IstanbulWir wollen jetzt eigentlich in die Blaue Moschee, die ist aber wegen der Gebetzeit gerade geschlossen. Okay, dann gehen wir zunächst in die Hagia Sophia. Die Hagia Sophia, die „Kirche der Heiligen Weisheit", war im Altertum die größte christliche Kirche. Im Jahre 537 fertig gestellt, prägt sie mit ihrem roten Mauerwerk noch heute diHagia Sophia - Istanbule Silhouette Istanbuls.

 

 


Nachdem wir die Hagia Sophia betreten haben, sind wir zunächst von ihrer Höhe beeindruckt. Die Kuppel hat an ihrem höchsten Punkt eine Höhe von 56m. Ich finde es immer wieder beeindruckend wie es die Baumeister früherer Zeiten geschafft haben solch Bauwerke zu errichten. Das Herstellen, aber auch das berechnen dieser Bauwerke ist für mich eine wahnsinnige  Leistung zur damaliger Zeit.

 

 

 Holzschilder mit den Namen der 8 heiligsten Männer des Islam in der Hagia Sophia

Tja und was fällt uns als erstes ins Auge? Genau wie an allen Kirchen dieser Welt, wird auch an dieser gerade gebaut. Wobei das muss ich ja zurück nehmen, denn die Hagia Sophia ist ja keine Kirche mehr, sondern wurde zu einem Museum erklärt.

Altar in der Hagia Sophia

Die Kuppel scheint regelrecht über dem Boden zu schweben. Wie konnte man solch eine schwere Kuppel mit 31m Durchmesser so abfangen, dass ein solch riesiges freies Mittelschiff entstand? Das Gewicht der Kuppel wurde mit einem völlig neuen Architektur-Ansatz, über weitere Halbkuppeln abgestützt und letztendlich über Pfeiler abgefangen. Die Pfeiler sind aber nicht als solche zu erkennen, weil sie sehr clever in die Seitenschiffe versteckt worden sind. Unter der Kuppel sind 40 Fenster angebracht, die für ein wenig Licht in dem doch insgesamt dunkel wirkenden Bau bringen.

 

 Kirchenschmuck in der Hagia Sophia

Insgesamt eine geniale Bautechnik, die sich später auch bei vielen Moscheen durchgesetzt hat. Wobei es zunächst Probleme gab, die erste Kuppel stürzte nach 21 Jahren und mehreren Erdbeben ein. Doch nach einigen Verstärkungen der Stütztechnik hatte man dieses Problem auch im Griff. Auch die Blaue Moschee wurde nach dieser neuen Methode gebaut.
Ihr werdet euch fragen wieso ich hier immer von Kirche spreche, im Inneren deutet doch alles auf eine Moschee und nicht auf eine Kirche hin. Stimmt, nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 wurde die Kaiserkirche zur Moschee des Sultans erklärt. Von da an diente sie 500 Jahre als Moschee bevor sie 1935 zum Museum erklärt wurde.
Mosaik in der Hagia Sophia - IstanbulNach einer Runde unten durch die Hagia Sophia gehen wir nach oben auf die Galerie. Hier oben wirkt es schon eher wie in einem Museum. An den Wänden sind einige gut aufgearbeitete Mosaike und in Vitrinen sind einige Bilder ausgestellt. Wenn man an die Brüstung tritt, kommt die Höhe der Hagia Sophia so richtig zur Geltung. Ganz am Ende der Galerie hat man den besten Blick auf die nach Mekka weisende Gebetsnische mit dem rechts davon platzierten Kanzel, von der die Gebete gesprochen wurden. Sofort beim Betreten der Hagia Sophia fallen einen die großen Holzschilder ins Auge. Was sollen die denn? Auch die 7,5m großen Schilder gehen auf die Zeit zurück, als die Hagia Sophia als Moschee diente. Die Zeichen auf den Schildern, sind die Namen der acht heiligsten Männer im Islam. Schon sehr beeindruckend hier, aber es wird wieder Zeit für Tageslicht, also gehen wir durch den vor gelagerten Park zur Blauen Moschee.

Blaue Moschee - Istanbul

 

Innenhof Blaue Moschee - IstanbulDie Blaue Moschee ist schon ein beeindruckendes Bauwerk. Die Kuppeln steigen über drei Ebenen gen Himmel, genau wie bei der Hagia Sophia, denn hier wurde der gleiche Baustil verwendet. Die im 17 Jahrhundert errichtete Moschee war nach ihrer Fertigstellung ein Skandalbauwerk. Der Bauherr hat es gewagt sechs Minaretten (Türme) zu bauen. Ein Privileg, dass der heiligen Moschee in Mekka vorbehalten war. Um die heilige Moschee wieder über allen Moscheen zu stellen, wurde hier ein zusätzliches Minarett errichtet.
Innenhof der Blaue Moschee - Istanbul

 

 

Die letzten Schritte auf die Blaue Moschee sind ein wenig komisch. Es prasseln so viele neue Eindrücke auf uns ein, dass die Gefühle schwer zu beschreiben sind. Auf dem Rasen am Anfang des Moscheegeländes liegen Gläubige und genießen mit der gesamten Familie den Sonntag. Bereits die Treppe hinauf zum eigentlichen Moscheebereich ist sehr voll. Nachdem wir uns durchgekämpft haben, stehen wir direkt auf dem Vorhof der Blauen Moschee. Verkaufsstand im Innenhof der Blaue Moschee - Istanbul

 

Aber was ist denn das hier? Ein Basar? Sieht aus wie bei uns zu Hause auf dem Weihnachtsmarkt. Holzbuden in den hauptsächlich Bücher zum Verkauf angeboten werden. Für uns, die hier eine der heiligsten Stätten der Türkei erwartet haben, ein skurriles Bild. Scheint aber normal zu sein und das wir uns darüber wundern liegt sicher an unserem fehlendem Hintergrundwissen.

Seiteneingang der Blauen Moschee - Istanbul

 

 

 

Wir schauen uns um und ich mache meine Fotos. Allerdings haben wir schon das Gefühl, hier eigentlich nicht besonders willkommen zu sein. Egal, wo wir schon mal hier sind wollen wir uns die Blaue Moschee natürlich auch von innen ansehen. Der Haupteingang ist den Gläubigen Islammisten vorbehalten. Wir Touristen betreten die Moschee über einen Seiteneingang. Natürlich müssen die Knie und die Schultern bedeckt sein. Nicht-muslimische Frauen brauchen den Kopf nicht zu bedecken, was Ela natürlich besonders freut. Die Schuhe müssen wir ausziehen. Es gibt die Möglichkeit sie in einem Regal vor der Moschee zu lagern oder sie in bereit liegenden Tüten mit in die Moschee zu nehmen. Wir nehmen sie lieber mit, nicht das meine schicken silbernen Schuhe noch einen anderen Abnehmer finden. :-))

 

 

 

Blaue Moschee Innenansicht - Istanbul

Blaue Moschee DeckenkonstruktionIch dachte nach betreten der Moschee sehe ich nur noch blau, aber eigentlich dominiert eher rot. Klar die Wände sind voller blauer Kacheln, aber es sind auch sehr viele rote Kacheln vorhanden. Außerdem ist der Teppich ebenfalls rot, so dass ich der Meinung bin Rot überwiegt. Auffällig sind auch die riesigen Leuchter, die von den Kuppeln herab hängen. Durch die 260 Fenster fällt nicht besonders viel Licht, denn die meisten sind dunkel, was den Lichteinfall doch deutlich mindert.

Blaue Moschee - Istanbul

 

 

Wir dürfen uns in der Moschee bis zu dem Zaun frei bewegen und sogar fotografieren. Natürlich ist es nicht erlaubt zwischen den Betenden herumzulaufen. Mich wundert es sowieso. Der Islam hat aus unserer Sicht so strenge Regeln, aber hier dürfen Touristen während der Gebete durch die Moschee gehen und mit Blitz fotografieren. Merkwürdig….

 


Blaue Moschee - IstanbulIm Gegensatz dazu dürfen muslimische Frauen aber auch nicht hinter den Zaun, um dort zu beten. Frauen beten zwischen den umherlaufenden Menschen. Die meisten an der Mauer, am Haupteingang, um sich wenigstens von einer Seite abschotten zu können. Das sind Bilder die bei uns so nicht vorstellbar sind.
Ein Großteil der Istanbuler sind sunnitische Muslime. Sie leben nach den fünf Pfeilern des Islams. Dazu gehört fünf Mal beten am Tag, Hilfe der Armen und fasten im Ramadan.

 

 

Blaue Moschee - IstanbulWobei das mit dem fasten ja teilweise recht flexibel gehandhabt wird. Man denke an die Sportler, die die Fastenzeit verschieben, wenn sie nicht in den Wettkampfkalender passen. Ich selbst habe das schon bei Kollegen erlebt. Wenn sie Hunger hatten, haben sie eben die Fastenzeit unterbrochen und die Tage an denen sie gegessen haben werden einfach hinten angehängt. Auch wieder einer dieser Widersprüche. Insgesamt scheint der Islam ein wenig flexibler gelebt zu werden. Bestes Beispiel der Umgang mit dem Kopftuch. Hier in Istanbul sieht man weit mehr Türkinnen ohne Kopftuch als bei uns in Deutschland.
Ich fühle mich genauso beobachtet, wie auch ich die Betenden beobachte. Eine Situation die nicht gerade angenehm ist. Außerdem ist die Luft in der Moschee nicht die beste. Kein Wunder, da ja alle ohne Schuhe rumlaufen. Ich denke es wird Zeit mal wieder frische Luft zu schnappen.

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