Stierkampf, Sherry und Flamenco

 

 

 

 

 

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Stierkampf, Sherry und Flamenco

Stierkampf - Spanischer Genfehler
Stierkampfarena - SevillaDer Stierkampf ist in keiner anderen Region Spaniens so populär wie in Andalusien, wo die berühmtesten Toreros und die edelsten Stiere zu Hause sind.
Der späte Sonntagnachmittag zwischen Ostern und Ende Oktober ist noch immer die Zeit der Corrida de Toros, während der sich in der Regel drei Toreros je zwei Stieren entgegenstellen. In dem etwa 20 Minuten dauernden Spektakel eines Kampfes fiebert alles dem Höhepunkt entgegen, wenn sich Stierkämpfer und der schon durch Lanzenstiche und Widerhaken geschwächte Stier gegenüberstehen, bereit zum Todestanz. Der Matador lockt den Stier mit seinem roten Tuch, umschleicht ihn, neckt ihn, zeigt elegante Posen aus seinem Figurenrepertoire, stellt seine Intelligenz und Geschicklichkeit der massigen Kraft des über 500kg schweren Tieres gegenüber.

 

Plaza de Toro - Sevilla


Stierkampf MuseumNach einer festgelegten Frist setzt der Torero zum Todesstoß an, der direkt auf die Hauptschlagader zielt. Ob es ihm gelingt, mit einem einzigen Stoß die richtige Stelle zu finden, oder ob er stümperhaft das Leiden seines Gegners vergrößert, entscheidet über den Jubel oder die Verachtung des Publikums.
Warum das ganze Stierkampf heißt ist mir allerdings schleierhaft. In einem Kampf haben beide Seiten eine Chance zu gewinnen. Das ist hier nicht, oder nur sehr bedingt, der Fall. Ab und zu gelingt es einen Stier ja auch mal einen Torero zu besiegen, aber das nützt ihm auch nichts, denn zur Belohnung das er gewonnen hat wird er dann auch getötet.
Ich denke der Ausdruck Stiergemetzel wäre der bessere Ausdruck. Womit auch meine Einstellung zu diesem spanischen Genfehler geklärt ist. Einen Stierkampf würden wir uns nie ansehen, aber eine der berühmtesten Arenen überhaupt, die Plaza de Toro in Sevilla haben wir uns aber trotzdem angesehen. Wir haben auch an einer Führung teilgenommen. Hmmm, muss man die mitmachen? Ich denke ja, alleine um zu sehen wie die Spanier mit dem Thema umgehen. Die Führung dauerte insgesamt 15 Minuten. In der Arena hatten wir nur etwa 3 Minuten. 2 Minuten wurde erzählt wo die Königfamilie sitzt und das sie 1-2 mal im Jahr dort ist. Dann ging es für 10 Minuten ins Museum. Da wurde uns fast übel, so sehr wird das Stier - schlachten verherrlicht. Der Höhepunkt aller Perversität war ein Bericht unserer Führerin: An der Wand hing der Kopf einer Kuh, ja richtig einer Kuh. Warum einer Kuh? Weil diese Kuh einen Stier geboren hat der einen berühmten Torero getötet hat. Damit diese Kuh nicht noch mehr solch böse Stiere gebären kann, wird sie umgebracht. Wenn das nicht pervers ist. Nun reichte es uns und wir haben uns die Stallungen nur noch wiederwillig angesehen. Die 10 Minuten  Verherrlichung des Massakers haben uns gereicht. Es werden übrigens 30000 Stiere jedes Jahr niedergemetzelt. Warum schaffen es die Tierschützer aller Welt nicht mehr dagegen zu tun?
Die besten unter den Toreros umgibt auch in Zeilen, in denen der Stierkampf in Spanien längst nicht mehr unumstritten ist, immer noch der Mythos von Volkshelden.
Federico Garcia Loren bezeichnete Spanien als “Einziges Land, dessen Nationalschauspiel der Tod ist”.


Flamenco - Andalusische Seele
Auf unserer Rundreise haben wir uns auch eine Flamenco Veranstaltung angesehen, wohl wissend, dass der echte Flamenco nur wenig mir dem zu tun hat, was den Touristen präsentiert wird.
Den wahren Flamenco kann man nicht buchen, man kann ihn nur finden. Vielleicht dort, wo eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammentrifft, die spontan etwas entstehen lässt.
In seinem Kern ist der Flamenco eine intime, verletzliche Kunst geblieben, die zu ihrer Entfaltung die Inspiration des Moments verlangt - und somit eigentlich ungeeignet ist für eine Bühnenvorführung.
Am Anfang stand der Gesang, der zunächst einmal für mitteleuropäische Ohren fremdartig klingt. Der Cante jondo, der tiefe Gesang, die Seele des Flamenco, entstand aus dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen im Süden der Iberischen Halbinsel. Aarabische Trauergesänge mischten sich mit liturgischem Ritual aus Byzanz und altspanischem Liedgut. Vor allem aber trugen die Zigeuner ihre musikalische Tradition bei.
Das sind keine heiteren, beschwingten Gesänge, Trauer und Verzweiflung werden mit kehliger Stimme herausgeschrien. Stolz und Wut verschmelzen im begleitenden Gestampfe der Absätze. Tanz und Gitarrenmusik untermalen den Gesang.


Gonzalez und ByassSherry - ein ganz besonderer Wein
Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda 
und Puerto de Santa Maria bilden das Dreieck der Sherry produzierenden Städte. Da unser Strandhotel rein zufällig in der Nähe lag haben wir in Jerez de la Frontera die Bodaga von Gonzalez und Byass besucht.

Tio Pepe

 

 

 

 

Wirklich eine nette Möglichkeit mehr über die Sherry Produktion zu erfahren. Nach dem recht üppigen Eintritt, warten wir bis unsere Gruppe an der Reihe ist. Wir werden mit einer „Eisenbahn“  durch das recht große Gelände gefahren. Unsere Führerin übermittelt sehr gekonnte viele Informationen. So erzählt sie uns, dass vor etwa 3000 Jahren die Phönizier die ersten Reben in diese südwestliche Ecke Andalusiens brachten. Römer, Westgoten und Araber perfektionierten die Anbaumethoden und exportierten bereits andalusischen Wein.
Gonzalez und Byass

 

 

Zum Lebensinhalt der Region wurde schließlich ein ganz besonderer Tropfen mit Namen Jerez. Englische Zungen machten daraus die für sie leichter auszusprechende Bezeichnung Sherry. Wahrscheinlich haben sie zu dem Zeitpunkt schon zu viel von dem Zeug getrunken. Die Tour führt durch alle Produktionsgänge. Uns wurde erklärt warum die Bodegas keine dunklen Keller, sondern riesige ebenerdige Lagerstätten sind. Im Keller wäre es für den Sherry zu kühl und durch die Ebenerdigkeit kann der Atlantikwind die Fässer streifen. Aha ja.
 

Sherry ProduktionSherry Herrstellung

 

 

 

 

 

 

 

Schwere Fässer aus amerikanischer Eiche, gefüllt mit Wein in unterschiedlichen Reifestadien, werden in mehreren Reihen übereinander gelagert. Sie verkörpern das besondere Reifesystem des Sherry - das Solera-System, eine geniale Verschnitt-Technik. In der unteren Reihe lagert der älteste Wein, von dem alljährlich ein Drittel auf Flaschen gezogen wird. Nachgefüllt wird mit dem Wein aus der nächsthöheren Reihe. In die obersten Fässer wird schließlich ganz junger Wein nachgefüllt, der nun mindestens 5 Jahre reifen muss, bis er die Qualitätskontrollen passiert. Auf diese Art und Weise wird gleich bleibende Qualität garantiert.

Sherry BodegaSherry Bodega

 

 

 

 

 

 

 

Sherryprobe

 

 

Beim Sherry gibt es keine Jahrgangsweine, aber man unterscheidet drei Hauptqualitäten: der helle, trockene Fino; der bernsteinfarbene Amontillado mit nussiger Note; der dunkle Oloroso, der nicht zwangsläufig süß sein muss. Nach der Führung ging es in eine Bodega auf dem Firmengelände, zur Sherryprobe. Das war der angenehmste Teil der Führung. :-))
 
 

So nun aber auf zum torkeln, aber nicht wegen des Sherrys...